Boot Camp

Morton Rhue, Boot Camp. Aus dem amerikanischen Englisch von Werner Schmitz, Ravensburger 2006, 253 S, (ab 15), € 12,95, ISBN 3-473-35258-6

In seinem neuen Roman “Boot Camp” zeichnet der Autor Morton Rhue ein erschütterndes Bild von amerikanischen Erziehungsanstalten - und davon, wie sie Jugendliche zerstören.

Erniedrigung, körperliche Gewalt und brutale Hackordnung - so sieht der Alltag von Connor aus, seit seine Eltern ihn ins “Lake Harmony” gesteckt haben. Handlanger haben ihn entführt, ihn wie einen Kriminellen mit Handschellen gefesselt und in das hunderte von Meilen entfernte Camp gesteckt. Hier soll er Respekt vor seinen Eltern lernen, soll so werden, wie sie es gerne hätten. Und das alles nur, weil er in Sabrina verliebt ist und nicht den Lebensstil seiner Eltern annehmen will.

Morton Rhue beschränkt sich in seinem Buch auf das, was in dem Boot Camp passiert, warum es wem geschieht und vor allem wie. Weder wird auf die Ausgangssituation und die Gefühle des Jungen näher eingegangen, die zu diesem mörderischen Vollzug geführt haben, noch Beweggründe anderer Personen aufgezeigt. Das Buch endet mit der Brechung des Willens und der Auslöschung seines Ichs.

Damit klagt der Autor die Institution dieser Umerziehungslager an. Ich aber klage die Eltern an, die solche Camps erst ermöglichen. Wie blöde müssen solche Unmenschen sein, die in ihrem Hass und ihrer Verblendung ihr ungeliebtes Kind in Handschellen ent- und abführen lassen?! Ich nehme dem Autor nicht ab, dass die Verantwortlichen, nämlich die Eltern nicht wissen, was mit ihrem Umerziehungsobjekt geschieht, denn es geschieht mit ihrer Einwilligung, auf ihren ausdrücklichen Wunsch sowie aus Feigheit und Bequemlichkeit.

Die Diskussion zu diesem brisanten Thema über die Hintergründe und die Ungeheuerlichkeit solcher Maßnahmen ist somit eröffnet und ich bin schon sehr neugierig auf eure Kommentare.

  • Wie ist es euch mit der Lektüre gegangen?
  • Was sagt ihr zum Inhalt, zum Aufbau, … Ende?
  • Was empfindet ihr nach dem Lesen?
  • Worüber möchtet ihr reden?
  • Womit fangen wir an?

10 Antworten auf “Boot Camp”

  1. Lea Kern sagt:

    Ich persönlich hätte ohne Rückentext nicht gewusst was mich erwartet, als ich die erste Seite aufschlug. Das ganze Buch ist ein einziger Schock. Ein Schock, fantastisch geschildert, so echt, dass er unter die Haut geht. Erschreckend und manchmal so grausam brutal, dass man eine Gänsehaut bekommt, schildert Morton Rhue die Geschichte von Connor, der seinen Eltern nicht der Junge war, den sie haben wollten, und in ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche geschickt wird.
    Ich hatte wirklich nicht die geringste Ahnung, dass es solche schrecklichen “Camps” in Amerika wirklich gibt. Am schlimmsten finde ich an solchen Camps (abgesehen von der grausamen Gewalt, die dort herrscht), dass Jugendliche dort als minderwertig und den Erwachsenen gegenüber als nicht würdig bezeichnet werden. Sie dürfen keine eigene Meinung haben - alles was ihre Eltern sagen, denn das ist das einzig richtige, sollen sie aufsaugen wie ein Schwamm. Das wird ihnen dort eingeredet, besser gesagt eingeprügelt.
    Ich kann nicht verstehen wie Eltern ihren eigenen Kindern allen Ernstes so etwas antun können - das kann ich einfach nicht begreifen. Vielleicht will ich es auch gar nicht. Außerdem glaube ich nicht, dass Eltern, die ihre Kinder in solche Camps schicken, wirklich überhaupt keine Ahnung haben, was dort läuft. Ich denke, sie stellen sich einfach blind, versuchen es zumindest, und wollen nicht sehen was dort vorgeht. Wir wollen unser Kind so zurückbekommen, wie wir es möchten. Es soll sich nicht ständig unserem Willen widersetzen und das tun, was wir von ihm wollen. Das ist das wichtigste (ein Roboter). Und wenn sie dann doch endlich die Augen öffnen, und sehen, was sie ihrem Kind damit antun, ist es meist schon zu spät.
    So eine Grausamkeit verstehe ich schlicht und einfach nicht.
    So, jetzt habe ich mich in Rage geredet, aber was ich noch sagen wollte, ist, dass “Boot Camp” trotz des schockierenden Themas - oder vielleicht gerade deswegen - ein hervorragendes Buch ist, das dem Leser gnadenlos die Augen öffnet, für eines der schrecklichen Dinge, die auf der Welt passieren.
    Nicht die Augen schließen, LESEN!

  2. Kathi sagt:

    Boot Camp hat mir irre gut gefallen! Es stimmt, es IST schockierend und spannend aber genau das, diese Spannung von Anfang an fand ich echt super! Nicht gerade häufig, dass man ein spannendes Buch liest, finde ich und noch seltener dass es wirklich gut ist! Wenn ich z.B. in einer Fernsehzeitschrift das Wort Action lese, schreckt mich das schnell ab. Diese Eigenschaft ist schnell mit solchen Dingen wie Bombe, Erpressung oder übertriebenen Kampfszenen verbunden, und bei Büchern ist das meist auch so. All solches Zeug, das einfach total hochgeschraubt und auf Spannung gemacht ist, ist so spannend, dass man es nicht aushält, und das ist einfach uniterressant, finde ich.
    Aber bei Boot Camp ist die Spannung genauso unerträglich - man MUSS weiter lesen, ist faziniert und das ganze ist einfach total erfrischend!
    Tatsächlich war mein erster Gedanke,”Mann, endlich mal ein spannendes Buch!”. Ich fand die Geschichte gut erzählt und einfach voll interessant, aber dann, der Schock am Schluss! Nämlich nicht, was am Ende der Geschichte passiert, sondern, als ich gelesen habe, dass das ganze wahr ist! Dass es Boot Camps wirklich gibt!
    Das hat mich umgehauen!
    Es ist fantastisch und gehört gelesen!

  3. Lilly sagt:

    Mir hat Boot Camp IRRSINNIG gut gefallen. Eigentlich mag ich Morthon Rhue ja nicht sehr, weil ich finde, dass er nicht schreiben kann, aber Boot Camp ist ihm wirklch gelungen. Allerdings kann ich nicht sagen, ob es gut geschrieben ist, weil so viel schreckliche Dinge passieren, dass man nicht darauf achtet, wie´s geschrieben ist. Super recherchiert ist es aber auf jeden Fall!
    Ich finde es ur arg, dass es solche Boot Camps wirklich gibt. Man bekommt ja schon Alpträume wenn man´s liest, aber wenn ich mir dann denke, dass es Boot Camps tatsächlich gibt, ist das echt SCHLIMM! Das Einzige, was mich gestört hat, waren die Eltern, besonders die Mutter.
    1. Es ist echt kein Grund jemanden in so ein Lager zu schicken, nur weil er eine ältere Freundin hat
    2. Dass sie “wirklich nicht wissen” was mit ihrem Sohn passiert
    3. Dass die Mutter, wenn sie ihren Sohn das erste Mal nach sechs Monaten sehen kann nicht kommt, weil
    sie beschäftigt ist UND
    4. Dass sie dann am Ende, als sie die Wahrheit erfahren haben, sofort kommen um ihren Sohn zu holen und entsetzt sind, was mit ihm passiert ist.
    Dass der Junge gebrochen wurde verstehe ich aber und es wundert mich auch, dass das nicht früher passiert ist.
    Trotz allem, ist das ein SUPER Buch. Lesen!

  4. Kathi sagt:

    also wirklich! schande!
    boot camp war ein derart gutes buch und ihr gebt ihm nur drei kommentare??
    dabei gibt es so viel zu diskutiern, bemerken, teilen und besprechen! interessiert dieses thema denn keinen? (an dieser stelle großes lob an lea und lilly!)
    kommt schon, leute! geht auf unsere einträge ein! sagt eure meinung! egal ob nun kritisch oder beeindruckt, raus mit der sprache!

  5. Kristina sagt:

    Ich kann nicht behaupten, dass Boot Camp mir jetzt “irrsinnig” gut gefallen hat. Als fantastisch würde ich auch etwas ganz anderes bezeichnen. Doch ganz gut war es schon. Nicht etwa, weil es sich hier um ein literarisches Meisterwerk handelt, sondern eher weil so viele Informationen darin stecken.

    Ich hoffe, dass all die geschilderten Situationen annähernd der Wahrheit entsprechen und nicht nur in Rhues Kopf entstanden sind. Irgendwie kann ich mir gar nicht vorstellen wo er all seine Quellen herbekam, als er an diesem Roman geschrieben hat.
    Von einem “Ex-Camper” vielleicht? Aber wenn doch einer von diesen Leuten, die mal in so einem Camp waren mit solchen Geschichten des Mißbrauchs ans Tageslicht kommen, kann ich mir nicht vorstellen, dass, auch wenn es in den USA ist, einfach nichts unternommen wird.

    Kurz zu einen oben erwähnten Aspekt… Von Lena Kern kam: “Ich kann nicht verstehen wie Eltern ihren eigenen Kindern allen Ernstes so etwas antun können - das kann ich einfach nicht begreifen. Vielleicht will ich es auch gar nicht. Außerdem glaube ich nicht, dass Eltern, die ihre Kinder in solche Camps schicken, wirklich überhaupt keine Ahnung haben, was dort läuft. Ich denke, sie stellen sich einfach blind, versuchen es zumindest, und wollen nicht sehen was dort vorgeht”.
    Tja glaube mir, wenn die Typen in den Camps fähig sind Menschenseelen zubrechen, sind sie auch clever genug Eltern anzulügen und diese auch noch glauben zulassen, dass es die richtige Entscheidung war ihre Kinder dahin zuschicken. Klar die Eltern sind blind, doch vielleicht sind sie auch durch Manipulation und Verzweiflung blind geworden.

    Komisch an dem ganzen Buch find ich, dass es so rüberkommt als ob in den USA anstatt die “Super-Nanny” geholt wird, das Kind einen kleinen Trip ins Boot Camp macht. Ich mein, welches halbwegs “normale” Elternpaar schickt sein Kind wegen einer Liebensbeziehung, die ihnen nicht passt einfach in ein Camp? Anstatt der “Super-Nanny” jetzt der neue Trend das Boot Camp??!!!!

    Gewalt und Probleme von Jugendlichen real zu schildern konnte Morthon Rhue schon immer gut. Auch dieses Buch ist nicht daran gescheitert, doch eigentlich habe ich schon mehr erwartet…

  6. Kathi sagt:

    ich finde es wichtig, dass das buch zeigt, wie viel gewalt bewirken, oder eher zerstören kann. du erfährst es ziemlich genau, ich meine, du kannst die schäden fast selber spüren. dadurch wird man auf dieses problem dirket hingewiesen, man muss sich damit befassen, ob nun in gedanken oder durch diskussion. das finde ich wirklich wichtig, nicht viele bücher schildern wie man mit gewalt manipulieren kann.
    und zu kristina: ich kann zwar nicht verstehn, wie man dieses buch nur mittelmaß finden kann, aber ich hab mit dem autor geredet, und ich weiß, dass alle informationen echt sind und nichts in seinem kopf entstanden ist. die handelnde figur existiert nicht, so viel ich weiß, aber alles andere ist real. ich glaube auch nicht, dass die boot camps ernsthaft im trend liegen, die leben nur davon, im untergrund zu existiern. klar würde die regierung sonst was dagen tun (hoff ich!), aber das, was von ihnen bekannt ist, ist anscheinend nicht verdächtig, ich bin mir sicher, dass dies der grund ist, warum eltern es überhaupt in erwägung ziehn, ihre kinder dort hin zu schicken.

    könnts ihr mir helfen, ich weiß noch immer nicht, was ich von dem ende halten soll! klar, es ist irgendwie schockierend und auch realitätsnah, dass sein wille gebrochen wird, aber gleichzeitig ziemlich drastisch, findet ihr nicht? er war doch der größte wiederstandskämpfer und hat das system durchschaut!
    is das ende gut oder schlecht?

  7. Mirjam sagt:

    hallo kathi, für mich ist das ende schlüssig und schrecklich. anders wäre es nicht realistisch gewesen.

    zu kristina, du warst bei der begegnung mit morton rhue nicht dabei. lies dir das gespräch durch. du findest es unter: buchdiskussionen, unterpunkt: autorenbegegnungen
    morton rhue wie auch der australische autor john marsden (liebe tracey, liebe mandy) schreiben ihre bücher auf grund von zeitungsmeldungen. wobei sie die gewaltmechanismen und ihre auswirkungen aufzeigen und alles andere ausklammern.

  8. Kathi sagt:

    ich habe das buch meiner freundin empfohlen, sie las es an einem tag und gab es sofort ihrem, sonst lesescheuen bruder, der ebenfalls begeistert war. bloß: beide waren der ansicht, das ende ist dumm.
    nun ja, ich gebe zu, es ist schon etwas lange her seit ich es gelesen habe, deswegen ist meine meinung nicht mehr ganz frisch, aber es hat mich wirklich geschockt!
    sieht so die realität aus? :S

  9. punk4ever sagt:

    Als ich anfing das Buch zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören. Es war das beste Buch, dass ich je in meinem kurzen Leben von 14 Jahren gelesen habe. Jede Stelle wurde so genau beschrieben, dass ich sogar manchmal eine Gänsehaut bekam. Als ich zum Schluss kam, war ich geschockt darüber, dass sein eigenes Ich doch noch zerstört wurde. Am schlimmsten finde ich, dass es solche “Umerziehungslager” tatsächlich gibt. Und ich würde keinen Eltern glauben, wenn sie sagen, dass sie nichts von dem Ganzen wussten. Kathi, ich habe mir deine Kommentare durchgelesen und ich muss sagen, ganz meiner Meinung. Kennt jemand von euch noch andere Seiten mit solchen Kommentaren?
    Allen ein frohes Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

  10. KlÄra sagt:

    ich finde dieses Buch schrecklich.. ich meine ´nicht das buch… ich meine den inhalt!! es ist so schrecklich, weil es das ja alles echt gibt. die eltern können ihren kindern doch nicht soetwas antun!!!!!! es gibt ja noch andere wege… und wenn die kinder wirklich sooo schlimm sind, kommen sie wahrscheinlich sowieso ins gefängnis… aba ein verhältnis mit einer älteren Frau ist nicht so schlimm…. und vor allem, dass man Connor dafür geschlagen hat,… ist brutal!
    ich interessiere mich für solche themen, aber es schockiert mich… naja… und nochmal: ich finds schrecklich!!!! Liiebe Grüße eure klÄÄra

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